Grüne Startups: Vergänglicher Trend oder ernstzunehmende Alternative?

Die grüne Welle in der Welt der Startups hält weiter an. Startups, die Wert auf Nachhaltigkeit und ökologische Prozesse legen, liegen nach wie vor schwer im Trend und sind überhaupt nicht mehr wegzudenken aus der Szene. Anfangs belächelt und als umweltfreundliche Alltagsfliege abgetan, schaffen es mittlerweile immer mehr grüne Startups, sich am Markt zu etablieren. Der Konkurrenz wurde längst der Kampf angesagt. In den Jahren zwischen 2006 und 2013 wurden allein in Deutschland etwa 170.000 grüne Unternehmen gegründet (Quelle: Free Economy Gründungsmonitor 2014). Doch was genau steckt hinter den grünen Startups? Und lohnt es sich auch jetzt noch, auf den ökologischen Zug aufzuspringen?

 

Green Economy und Nachhaltigkeit

 

Wenn wir über Grüne Startups sprechen wollen, muss zu allererst natürlich geklärt werden, was es damit auf sich hat. Ab wann darf sich ein Startup als „grün“ bezeichnen? Was unterscheidet es von anderen Unternehmen? Wie stehen die Chancen auf Erfolg? Die wichtigsten Antworten können wie folgt zusammengefasst werden.

Grüne Startups folgen einem (anscheinend) ganz einfachen Prinzip: Dem der ökologisch nachhaltigen Wirtschaftsweise. Da diese Begrifflichkeit zugegebenermaßen ziemlich sperrig ist und auch ein bisschen umständlich klingt, wird sie meist als Green Economy zusammengefasst. Die Säulen dieser grünen Wirtschaftsweise sind vier verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit:

 

  • Sozial: Grüne Startups legen ein besonderes Augenmerk auf Arbeits- und Menschenrechte und pflegen darüber hinaus einen oft recht unkonventionellen Führungsstil. Insgesamt kann gesagt werden, dass die Beziehungen zwischen Menschen in den Startups besonders wichtig sind.
  • Ökonomisch: Auch das Management der Startups kann als nachhaltig bezeichnet werden. Hier kommt es sowohl auf interne als auch auf externe Aspekte an.
  • Ökologisch: Gleiches gilt auch für den Businessplan. Auch dieser folgt nachhaltigen Gesichtspunkten und unterscheidet sich als solcher häufig stark von herkömmlichen „nicht grünen“ Modellen.
  • Kulturell: Ein letzter Aspekt der Nachhaltigkeit von grünen Startups sind kulturelle Besonderheiten, die gezielt in die Konzeption der Geschäftsidee einbezogen werden.

 

Allgemein kann folgendes festgehalten werden: Grünen Startups geht es nicht in erster Linie darum, profitabel zu arbeiten. Hauptziel ist es, Mehrwert auf der ökologischen und sozialen Ebene zu schaffen. Wenn das Unternehmen erfolgreich sein will, gelingt es diesem, die nachhaltigen Wertevorstellungen mit einer erfolgreichen Business-Idee zu vereinen.

 

Leider muss gesagt werden, dass dieses Vereinen von ökonomischen und ökologischen Zielen eine große Herausforderung für die jungen Unternehmen ist. Nicht selten scheitert ein grünes Startups auch daran.

 

Wenn es die anfänglichen Hürden (allen voraus: Die Finanzierung) überwunden hat, besteht durchaus die Chance auf große Erfolge. Nachhaltige Geschäftsideen werden mittlerweile seit einer ganzen Weile sehr positiv von den Konsumenten aufgenommen. Grün ist modern und wird als etwas Positives wahrgenommen. Die große Akzeptanz und das bewusste Auseinandersetzen mit der Thematik sorgen auch dafür, dass die ökologisch ausgerichteten Geschäftsideen nach und nach ihr „Strickpulli“-Image verlieren. Stattdessen werden sie mehr und mehr erstgenommen und auch als echte Alternative zu herkömmlichen Geschäftsideen verstanden.

 

Die Hürden für grüne Startups

 

Wie bereits angesprochen, müssen sich nachhaltig agierende Startups oftmals unterschiedlichen Hürden stellen, die es schwer machen, sich am Markt zu etablieren und zu positionieren. Die größten davon sollen an dieser Stelle kurz vorgestellt werden:

 

Die Finanzierung: Startup-Ideen (egal ob grün oder nicht) können nur dann realisiert werden, wenn das nötige Geld vorhanden ist. Leider bedeutet nachhaltig nicht immer auch rentabel – weswegen es vielen grünen Startups schwerfällt, einen zahlungsfreudigen Investor zu finden. Diese nehmen das Business oftmals als zu vage und unberechenbar wahr und investieren lieber in klassische Ideen.

Das Crowdfunding: Natürlich gibt es mittlerweile mehrere Crowdfunding-Plattformen, die sich auf grüne Startups spezialisiert haben. Hier können spendable Nutzer gezielt nach nachhaltigen Ideen suchen und diese mit ihrem Geld unterstützen. Das Problem dabei: Die Flut der unterschiedlichen Startups ist erschlagend. Wer sich hier als Unternehmen durchsetzen will, muss schon sehr aus der Masse hervorstechen.

Die Positionierung am Markt: Gleiches gilt auch, wenn es ganz allgemein um die Positionierung des Startups geht. Ehe eine grüne Business-Idee bekannt wird, dauert es oftmals eine ganze Weile. Gerade in Zeiten, in denen ökologische und nachhaltige Ideen Hochkonjunktur feiern, fällt es schwer, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen und sich einen Namen in der Szene zu machen.

Die Bürokratie: Die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam – auch wenn es um grüne Startups gehen. Wenn es nach deren Geschmack geht zu langsam. Viele Businesses entspringen einer spontanen Idee und wollen am liebsten von jetzt auf gleich umgesetzt werden. Kommt der Prozess jedoch immer wieder ins Stocken, ist das für viele junge Gründer eine echte Geduldsprobe. Leider scheitern viele an dieser.

Der Markt: So innovativ und nachhaltig eine Idee auch ist – manchmal wird sie einfach nicht gebraucht. Viele grüne Startups sind so sehr von sich überzeugt, dass sie ganz vergessen, eine umfassende Marktanalyse durchzuführen. Das hat zur Folge, dass nicht bemerkt wird, dass es gar keine Abnehmer für das Produkt oder die Dienstleistung des Startups geben wird.

 

Die Chancen für grüne Startups

 

Auch wenn es an dieser Stelle vielleicht so klingt, als hätten es grüne Startups besonders schwer, kann gesagt werden, dass die nachhaltigen Ideen, die mittlerweile Nischen in allen wirtschaftlichen Bereichen besetzt haben, boomen – und zwar unübersehbar. Immer öfter betreten junge Unternehmen, die ganz bewusst ökologische Ziele über ökonomische Stellen, die Startup-Bühne und überzeugen das Publikum.

 

Grüne Startups

Was genau der Grund hierfür ist, kann nicht eindeutig gesagt werden. Fakt ist auf jeden Fall: Grün ist in. Fair gehandelte und hergestellte Produkte, nachhaltige Geschäftsideen und würdevolle Arbeitsbedingungen für alle Mitarbeiter treffen den Nerv der Zeit. Die Unternehmen werden genau aus diesen Gründen wahrgenommen – und nicht, weil sie neue Verkaufsrekorde aufgestellt haben oder ihre Produktion nun doch endlich komplett ins Ausland verlagert haben.

 

Ein weiterer Punkt, der klar für die grünen Startups spricht, ist die Exklusivität. Produkte werden in kleinen Stückzahlen hergestellt und sind dementsprechend hochwertiger. Käufer wissen diesen ökonomischen Ansatz sehr zu schätzen und greifen dafür auch gern tiefer in die Taschen. Gleichzeitig wissen sie auch sehr wohl, dass die exklusiven Produkte Ausdruck von Lifestyle sind. Nachhaltigkeit ist cool und trendy. Man lässt sich natürlich mit dem neuen fair gehandelten Drink sehen und hausiert auch gern damit, dass die Möbel, die man jüngst gekauft hat, das Prädikat „Nachhaltigkeit“ verdient haben.

 

Grün und erfolgreich: Diese Startups haben es geschafft

 

Abschließend wollen wir es uns nicht nehmen lassen, Ihnen eine Reihe von Startups vorzustellen, die den Spagat zwischen Nachhaltigkeit und Erfolg geschafft haben. Die Auflistung soll Ihnen außerdem zeigen, wie breit gefächert die Szene der grünen Startups ist. Diese beschränkt sich nämlich längst nicht mehr nur auf Lebensmittel und Kleidung.

 

  • Avocado Store: Der Avocado Store ist ein Marktplatz für alle, die gern nachhaltig einkaufen wollen. Die Plattform bedient die unterschiedlichsten Bereiche – so zum Beispiel auch Wohnen und Arbeiten.
  • InteriorPark: Während Möbel im Avocado Store nur ein Thema von vielen sind, stehen sie bei InteriorPark im Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Homepage widmet sich intensiv dem Bereich Inneneinrichtung und bietet nachhaltige Alternativen an, die mit selbstentwickelten Öko-Icons ausgestattet sind und dem Käufer somit einen schnellen Überblick bieten.
  • koawach: Spätestens seit der zweiten Staffel von Die Höhle der Löwen ist koawach nicht nur sprichwörtlich, sondern buchstäblich in aller Munde. Der natürliche, fair gehandelte und bio-zertifizierte Schokoladen-Drink mit dem Guarana-Kick ist das perfekte Beispiel dafür, dass Öko zum Lifestyle geworden ist.

 

Fazit: Noch lange kein Ende in Sicht

 

Solang Nachhaltigkeit, ökologischer Anbau und faire Arbeitsbedingungen als Synonym für Hochwertigkeit, Qualität und auch Coolness verstanden werden, werden auch grüne Startups weiterhin gute Chancen haben, sich am Markt zu positionieren. Dennoch muss auch festgehalten werden, dass es sich hierbei um einen Trend handelt – und Trends haben in der Regel immer einen Anfang und ein Ende. Das bedeutet jedoch nicht, dass dieses im Falle der grünen Startups bereits in Sicht ist. Man darf also gespannt sein, was uns noch alles erwarten wird.

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