Es ist möglich „einfacher“ zu bleiben, als wir es uns denken

Smart Business Concepts

Dass Existenzgründung nicht immer gleich das fremdfinanzierte Großunternehmen bedeuten muss und dass ein einfaches, smart aufgebautes Unternehmen von Solopreneuren mindestens ebenso erfolgreich sein kann, erzählt uns Ehrenfried Conta Gromberg im exklusiven Interview. In seinem Buch “Smart Business Concepts” setzen er und seine Frau Brigitte sich mit eben diesem Thema auseinander: Wie baut man Prozesse “smart” auf und schützt sich vor Fremdeingriffen und Störungen im Startup?

Lieber Herr Conta Gromberg, möchten Sie uns für den Start etwas zu Ihnen und Ihrer Ehefrau als Personen und Ihrem Werdegang erzählen?

Brigitte und ich sind seit über 20 Jahren selbstständig und starteten mit einer GmbH, in der wir Full Service Beratung anboten. Schon dort begleiteten wir Menschen und Organisationen dabei, ihr Geschäftskonzept aufzubauen, aber es waren individuelle Begleitungen. Hamburg war damals die Hochburg der Online-Startups, das Fieber steckte an und so war unsere zweite GmbH ebenfalls ein Online-Startup, das in der Dot.com-Krise dann prompt mit abgeräumt wurde. Das bereitete Kopfschmerzen und seitdem hat uns das Thema „Geschäftsmodell“ und „Wann ist eine Idee eigentlich gut?” nicht mehr losgelassen.

Wann hatten Sie die konkrete Idee zu den Smart Business Concepts sowie dem zugehörigen Buch „Smart Business Concepts – Finden Sie die Geschäftsidee, die Ihr Leben verändert“?

Smart Business Concepts

Nach unserem Ausflug in die Online-Startup-Szene haben wir viel miteinander gesprochen. Unter anderen darüber, warum wir uns mit unserem ersten digitalen Geschäftskonzept überfordert waren und die Zeichen der Dot.com-Krise übersehen haben. Wir entdeckten dabei für uns, dass wir eigentlich einer anderen Klasse von Entrepreneuren angehören. Wir haben alle unsere Firmen (bis heute waren es vier) im Home-Office geführt, heute sind wir konsequent solo, haben also keine Angestellten und keine Mitgesellschafter. Wir hätten uns im Nachhinein Mentoren gewünscht, die uns am Anfang einen Überblick gegeben hätten, was es für verschiedene Wege gibt, ein Business digital aufzubauen. Dazu kam, dass die amerikanische “How to Do”-Literatur häufig so tut, als wäre alles easy. Das wollten wir so nicht stehen lassen. Dies war die Geburtsstunde unseres Buches. Wir hatten ein Mentoring-Programm im Kopf und haben im Buch dann das Vorgehen aufgeschrieben.

Welche sind die wichtigsten Aussagen Ihrer Lektüre? Worin lagen Ihre “Ziele” beim Schreiben?

Das Buch Smart Business Concepts soll zeigen, dass Idee nicht gleich Idee ist. Eine Grundvoraussetzung für geschäftliches Glück ist es, eine Business-Idee in der richtigen Schublade zu platzieren. Greifen wir in die falsche Schublade, klemmen wir uns schnell die Finger ein. Wir wollten ein Gefühl dafür vermitteln, was passiert, wenn man eine Geschäftsidee einmal streng „smart“ denkt und gewohnte Trampelpfade verlässt. Hauptaussage ist unter dem Strich: Es ist möglich „einfacher“ zu bleiben, als wir es uns denken.

Ist die Arbeitsbelastung Ihrer Meinung nach in den letzten Jahrzehnten gestiegen? Und wenn ja, welche Gründe könnte dies haben?

Ja, die Belastung ist in unseren Augen allgemein gestiegen. Damit meinen wir die Menge der Entscheidungen, die an einem Tag zu treffen sind, um am Ende alles geschafft zu haben. Das können berufliche E-Mails sein, aber auch die Wahl des richtigen Geburtstagsgeschenkes für einen Freund. Früher reichte ein Buch, wo liegt heute die Messlatte? Wer nicht aufpasst, organisiert sich falsch, macht jede Eskalation mit, reagiert dann weiter falsch und dann nimmt die Belastung weiter zu. Deshalb ist das Thema „Smart Working“ für uns zentral. Wie kann man Störungen und Fremdeingriffe in seinem Business (und im Leben) verringern? Wie baut man Prozesse schlank auf?

Worin sehen Sie den Vorteil von Solopreneuren gegenüber den Startups mit Mitarbeitern?

Der Solopreneur hat das kleinere System, er kann es besser steuern. Sobald viele Menschen um einen Tisch sitzen, gibt es nur noch eine Frage: Kann ich die Gruppe steuern oder nicht? Es wird heute in der Startup-Szene so getan, als wäre die Gruppe immer die bessere Wahl. Das hinterfragen wir. Wer sich solo aufstellt, kann sein Geschäftskonzept besser an den Stärken seiner Person ausrichten. Das führt zu einer höheren Produktivität der eigenen Person. Wir sagen nicht, dass eine Solo-Firma große Firmen überholt, die Gesamtproduktivität ist von großen Einheiten mächtiger. Auf die eigene Kreativität bezogen, bin ich aber meist im eigenen System schneller und besser, ich kann persönlicher und direkter agieren.

Mit welchen Tücken haben Solopreneure dafür aber zu kämpfen, die den Unternehmern in einem „Mehrpersonenbetrieb“ erspart bleiben?

Der Solopreneur übernimmt wirklich die Verantwortung und hat eine Reihe von Disziplinen parallel zu bewältigen. Deutschland ist in punkto Steuer etc. nicht gut aufgestellt und baut viele Barrieren für kleine Einheiten auf. Über diese Barrieren muss man erst einmal drüber. Wenn einem dabei irgendwo Wissen fehlt, kann das schnell zu einer psychologischen Blockade führen. Wenn man dann auch noch sein privates Leben zu isoliert aufbaut, hat man einen echten Engpass. Dieses Negativbild wird immer wieder von Kritikern beschworen. Uns ist wichtig, das andere Bild zu zeigen: Erfolgreiche Solopreneure sind gute Netzwerker. Sie arbeiten im Austausch mit vielen anderen. Wer es lernt, auf die Impulse anderer zu hören, kann sogar mehr Input alleine von außen bekommen, als wenn ich in einem “geschlossenen” Firmensystem sitze.

Inwiefern können Solopreneure dadurch ihre Arbeitslast senken?

Vor allem, indem Selbstständige aus den Individual-Jobs aussteigen und eigene Produkte entwickeln. Operativ durch eine gute Struktur und den Einsatz von Komponenten. Indem ein Solopreneur Arbeitspakete systematisch schnürt und dann Teilprozesse nach außen abgibt, produziert er im Prinzip wie eine moderne große Firma, er tut es nur auf einem anderen Level. Also Skalierung durch Automatisierung, nicht mehr alles selbst tun.

Welche Rolle spielen dabei die von Ihnen entwickelten “Smart Business Concepts“?

Wir wollten Modelle zeigen, die smart funktionieren. Ziel war eine gut verständliche Systematik. Wir haben wie die Weltmeister gesammelt, eigene Erfahrungen verdichtet und vor allem analysiert. Unseres Wissens sind wir die ersten, die die smarten Modelle wirklich in eine Typologie gefasst haben. Es gibt viele, die auf das Phänomen der Smart Business Concepts hingewiesen haben, ein Raster dafür gab es vor uns nicht.

Sehen Sie Veränderungen durch die Digitalisierung für Solopreneure? Startups im Online-Business erleben ja derzeit geradezu einen “Boom”?

Absolut. Die digitale Revolution krempelt seit einigen Jahren unser Leben um und wird dies auch noch die nächsten Jahre tun. Wir beschäftigen uns viel mit digitalen Komponenten. Es ist erstaunlich, welche Services alleine in den letzten drei Jahren auf den Markt gekommen sind. Es ist heute um ein Vielfaches leichter geworden, smart unterwegs zu sein.

Glauben Sie, dass es sich dabei um einen langfristigen Trend oder eine der berühmten kurzfristigen Blasen handelt?

Ist die E-Mail eine Blase? Wer glaubt, sein Business noch alleine mit dem alten Postbrief gestalten zu können, wird es nicht schaffen. Digitalisierung ist keine Blase, sie verändert unser Leben. Das Gleiche gilt für Automatisierung und viele andere Techniken. Aber es geht nicht nur um Technik. Immer weniger Menschen kommen in den „großen Systemen“ langfristig unter. Das schafft gesellschaftlich Angst. Wenn wir endlich die Türen zeigen, wie man sich selbst solide aufstellt, werden viele Menschen diesen Weg gehen und dabei ihre eigene Kreativität entdecken. Wir wehren uns dagegen, die große Blase der Angst, die sich über Europa ausbreitet, zu füttern. Es ist so viel leichter geworden, heute selbst kreativ zu sein. Tun wir es doch einfach.

Wieso denken Sie, haben so viele Menschen in Deutschland Angst vor dem Schritt der Existenzgründung?

Weil sie immer noch in „Sicherheit“ denken. Seit Jahrzehnten bringt man den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland bei, dass die Sicherheit in einer festen Anstellung liegt. Dort spielen die großen Gehälter, die Karriere, das Fortkommen. Wir malen nicht das Bild, dass erfahrene Kapitäne nur durch eigene Erfahrung seefest werden. Unser erstes Online-Startup ist gesunken. Dadurch haben wir aber mehr für unsere anderen Firmen gelernt, als man das an irgendeiner anderen Stelle kann. Wir raten: So früh wie möglich Wasser schlucken, schwimmen lernt man nicht an Land.

Was hilft gegen diese Angst?

Selbstbewusstsein. Wir arbeiten in unseren Intensivgruppen hart daran, in die Köpfe der Teilnehmer zu bringen: „Du darfst selbstständig sein. Das ist kein Verrat an den anderen Menschen!“ Selbstständig zu sein ist produktiv für die Gesellschaft, Entrepreneure sind die Regenwürmer im Boden der Gesellschaft. Deswegen ärgern wir uns auch über die Angstapostel aus allen Lagern. Wir brauchen eine neue Mitte. Die kommt nicht durch Grundeinkommen oder internationale Großkonzerne, diese Mitte kommt durch ein möglichst breites Netz von kreativen, kleinen Firmen.

Würden Sie eher zum Sprung in das kalte Wasser raten oder dem langsamen Herantasten an die Existenzgründung?

50 Prozent in unserem Programm sind bereits selbstständig, etwa 50 Prozent gehen zum ersten Mal „selbst aufs Wasser“. Wir raten in beiden Fällen immer dazu, sich an neue Geschäftsideen heranzutasten. Da sind wir Fans des Prototypings und des organischen Wachstums. Also keine kreditfinanzierten Rocket-Startups. Gleich, ob man als alter Selbstständiger ein neues Business Concept umsetzt oder als Angestellter zum ersten Mal für sich selbst arbeitet: Das bisherige Einkommen nicht sofort abbauen und sich an den neuen Einkommensstrang langsam herantasten.

Welche Lektionen mussten Sie in diesem Prozess vielleicht selbst „auf die harte Tour“ lernen?

Unsere zweite GmbH, die wir als Online-Startup in Hamburg schön nach dem Startup-Lehrbuch gefahren sind. Angesagt war Geschwindigkeit, durch Fremdkapital getrieben. Wir holten eine große renommierte Unternehmensberatung mit an Bord, um keine Fehler zu machen. Das half alles nichts, weil wir hinterher verstanden haben: Diese Berater hatten ganz andere Bilder von einem „Unternehmen“ als wir. Sie haben nach ihren Bildern gehandelt und beraten. Wir saßen in der falschen Schublade. Das können Sie durch Mehrarbeit nicht ausgleichen.

Welchen Rat können Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Nicht einfach auf eine Idee springen. Sich einen Überblick verschaffen, was für Möglichkeiten es gibt. Seinen eigenen Geschäfts-Typ sauber identifizieren und ab dann an sich selbst glauben.

Werden Sie ein weiteres Buch schreiben? Oder welche beruflichen Pläne verfolgen Sie in näherer Zukunft?

Ja, es werden weitere Bücher kommen. Dieses Jahr veröffentlichen wir zunächst unser eigenes Business-Modelling-Tool, den „Smart Business Marketing Generator“. Darin ist auch unsere Produkt-Treppe® enthalten.

Möchten Sie sonst noch etwas loswerden – egal was?

Wir leben seit einigen Jahren in einer Zeit der Unruhe. Es geht in unseren Augen inzwischen um mehr als nur um Business. Es geht darum, dass jeder seinen Weg findet, selbst aktiv zu sein und wie wir Gesellschaft gestalten.

Lieben Dank für das spannende Gespräch!

Weitere Informationen sowie das Buch „Smart Business Concepts – Finden Sie die Geschäftsidee, die Ihr Leben verändert“ finden Sie unter www.smartbusinessconcepts.de