Startup-Portrait: Upyama – Nachhaltigkeit vor der eigenen Haustür

Das Konsumverhalten des Menschen ist maßgeblich davon beeinflusst, dass wir alles zu jeder Zeit und in jeder gewünschten Menge erhalten. Wir trinken Kaffee aus Kolumbien und essen Obst aus China – und vergessen immer öfter, dass viele gute Lebensmittel auch aus der Region kommen. Diese sind nicht nur viel günstiger, sondern auch besser für die Umwelt. Umständliches Verpacken und lange Transportwege entfallen nämlich. Glücklicherweise verändert sich das Bewusstsein vieler Menschen mehr und mehr hin zu einem bewussten, regionalen und nachhaltigen Konsum. Dass dieser Lebensstil funktionieren und sogar ganz einfach sein kann, beweist Upyama, ein Startup aus Deutschland (genauer gesagt: Eisenach in Thüringen).

 

Die Gründerin

Anja Hauer ist nicht nur die Gründerin, sondern auch „Alles-Managerin“ bei Upyama. Sie hat das Startup im Oktober 2015 gemeinsam mit ihrem Mann ins Leben gerufen. Dieser hält sich jedoch weitestgehend im Hintergrund auf. Tatkräftige Unterstützung erhält Hauer von Diplom-Wirtschaftsinformatikerin Katrin Senf. Beide Frauen können bereits auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Während Anja Hauer zunächst als Assistent der Geschäftsführung in den USA und später in Deutschland als Marketingassistenz und Marketingdirektor gearbeitet hat, war Katrin Senf als Dozentin in der Erwachsenenbildung tätig. Beide haben ihre Jobs gekündigt und sind nun hauptberuflich für Upyama tätig.

 

Die Entstehung der Startup-Idee

Gefragt nach der Geburt Ihrer Geschäftsidee antwortete Gründerin Anja Hauer im getLaunched-Gespräch mit einer kleinen Anekdote: „Ich hatte die Idee, habe Sie verworfen und wurde kurz danach geblitzt. 35 Euro Strafe führten dazu, dass ich den Blitzer als ‚Wink mit dem Zauns-Pfahl‘ sah und einfach losging und machte. Dieser Moment hat mein Leben und mich als Mensch verändert. Ich hätte nie das Maß an persönlicher Freiheit und eine solche Willensstärke entwickelt, hätte ich mich nicht vom alltäglichen Arbeitsmarkt losgesagt.“ Das Team von Upyama hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Bewusstsein der Menschen zu schärfen und die Welt ein bisschen „grüner“ zu machen. Hierfür verweisen sie nicht nur auf die Verkürzung der Lieferwege und die damit verbundene Unterstützung lokaler Produzenten, sondern setzen auch ganz gezielt auf Aufklärung in den Bereichen Ernährung, Sport, Reisen und Lebensstil.

 

Die Produkte von Upyama

Das Unternehmen hat die App OnlyGreen programmiert, mit der Nutzer kinderleicht sogenannte Local Green Spots – also Hofläden, Bio-Hotels, nachhaltige Möbelgeschäfte, Fair Trade-Shops usw. – finden kann. Der Aspekt der Nachhaltigkeit beschränkt sich bei Upyama also nicht nur auf den Lebensmittelsektor, sondern greift in allen Bereichen des täglichen Lebens und Konsumierens. OnlyGreen zeigt die Green Spots in der Umgebung jedoch nicht einfach nur an, sondern navigiert auch auf Wunsch dort hin. Außerdem haben Sie als Nutzer die Möglichkeit, eigene Green Spots einzutragen und diese somit mit anderen zu teilen.

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Ergänzt wird die App von Upyama durch ein umfassendes Online-Angebot, das unter anderem aus einem Blog, einem Magazin, eine Foodlounge mit Rezepten, einem Restaurantführer, Reisezielen und mehr besteht. Die einzelnen Segmente sind auch über die App verfügbar und setzen sich allesamt mit dem Aspekt der Nachhaltigkeit auseinander. Die Philosophie von Upyama lautet nämlich: Nachhaltigkeit ist kein Trend, sondern eine Lebenseinstellung.

 

Wofür steht der Name „Upyama“?

Die Namensfindung ist für viele Startup-Unternehmer ein besonders schwerer Arbeitsprozess. Einzigartig und dennoch einprägsam, leicht zu verstehen und dennoch tiefgründig soll er sein, der perfekte Name für die Marke und das Unternehmen, das dahinter steckt. Upyama ist zweifelsfrei ein Name, der im Gedächtnis bleibt. Doch was verbirgt sich hinter dem exotisch klingenden Label?

Es handelt sich hierbei um die Kombination zweier Begriffe, nämlich:

  • Upcycling: aus etwas Altem, Gebrauchten oder Abfall etwas Höherwertiges machen
  • Yama: Die erste Stufe des Raja-Yogas, in der es um Disziplin, Bewusstsein und Selbsterkenntnis

Führt man die beiden Wortteile zusammen, kommt nicht nur Upyama, sondern auch eine hochwertige Plattform, die das Bewusstsein der Menschen schärft, heraus.

 

Die Zukunft von Upyama

Wir haben Gründerin Anja Hauer gefragt, wo sie sich in fünf Jahren mit ihrem Startup sieht. Darauf erhielten wir die folgende Antwort: „In fünf Jahren sind wir deutschlandweit die größte Plattform für nachhaltiges Leben, auf der man regionale, gesunde Produkte finden und kaufen kann. Außerdem haben wir mehr als 500.000 App-Downloads und unser Magazin ist an jedem Kiosk zu kaufen.“ Dieser Ausblick in die Zukunft macht deutlich, wohin die Reise von Upyama gehen soll. Das Unternehmen will sich nicht nur klar auf dem App-Markt, sondern auch im Bereich der Printmedien etablieren.

 

„Visionäres Denken begegnet mir viel zu selten“

Während die Mehrheit der deutschen Startups der kreativen Keimzelle Berlin entspringen, ist Upyama in einer ganz anderen Region zu verorten. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Eisenach, einer Kleinstadt im Westen Thüringens. Die Stadt lebt vom Tourismus und ist wirtschaftlich betrachtet vor allem für die Bosch- und Opel-Niederlassungen bekannt. Von einer lebendigen und florierenden  Startup-Szene kann jedoch nicht die Rede sein. Das weiß auch Anja Hauer: „Wenn Berlin und München die Note 1 bekommen, dann hätte Thüringen nicht mal ein ‚ausreichend‘ verdient. Denn um sich in der Szene zu etablieren, brauchen wir mehr mutige, enthusiastische Thüringer. Visionäres Denken begegnet mir viel zu selten in dem Bereich. Dabei können wir genau das, was große Startup Cluster wie Berlin hervorbringen. Das Verständnis, dass man sich mit einer Selbständigkeit in sichere Hände begibt – SEINE EIGENEN – ist noch nicht gegeben. Das ist wohl aber auch historisch so gewachsen. Wir befinden uns auf einem guten Weg und auch die Politik und Wirtschaftsförderung hilft in Thüringen gut mit. Es geht also aufwärts 🙂 Wichtig ist, dass die Selbständigkeit und der Weg dahin kein Nachteil für mutige Gründer ist – sondern im Gegenteil, die wertvollste Erfahrung ist, die man in seinem Berufsleben machen kann.“

Upyama

In den noch etwas starren Strukturen Thüringens sah Hauer auch die größte Hürde während Ihrer Unternehmensgründung. „Versuchen Sie mal eine Thüringer Bank, die seit Jahrzehnten vorwiegend im Industrie- und Automobilsektor investiert, von einem digitalen, zukunftsweisenden Startup zu überzeugen.“ Das Beispiel von Upyama zeigt einmal mehr, dass es sich lohnt, zu kämpfen. Auch wenn es grüne Startups oftmals schwerer haben als andere, können sie es dennoch schaffen, sich durchzusetzen und zu etablieren. Wir von getLaunched wünschen dem Team von Upyama alles Gute für die Zukunft.

 

Sind auch Sie Startup-Gründer und der Meinung, dass getLaunched.io Ihr Unternehmen einmal vorstellen soll? Dann freuen wir uns sehr über einen Kommentar unter diesem Beitrag oder eine E-Mail an info@jf-texte.de

 

Bilder: © Upyama