Wie Sie eine Tür “sauber” öffnen – die hyShell

hyShell von Hygienics.ch

Am Montag, dem 05. Oktober 2015, stellten wir von getLaunched, dem Gründer und Geschäftsführer des Startups Hygienics.ch, Yves Prodorutti, zehn Fragen in unserem Gründer-Interview. Herausgekommen sind tiefe Einblicke in das junge Unternehmen. In diesem Beitrag wollen wir nochmals auf Hygienics.ch eingehen und uns der hyShell widmen, dem innovativen Produkt des Schweizer Startups.

Bakterien, Viren und andere Krankmacher

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt an, dass bis zu 80% aller Infektionskrankheiten von Hand zu Hand übertragen werden. Ein Grund dafür, weshalb viele Menschen den Handschlag meiden – nicht nur bei eigener Erkrankung, sondern generell. Zudem zeigen diverse Studien, dass 60 Prozent der Männer  und 30 Prozent der Frauen ihre Hände nach einem Toilettenbesuch nicht waschen. Eine Einladung für alle möglichen Bakterien und Viren.

Da wir dazu neigen Türen für gewöhnlich mit dem Türgriff zu öffnen bzw. wieder zu schließen, übertragen sich diese Bakterien und Viren ganz ungehindert auf diese Türgriffe, wo sie bis zu 24 Stunden überleben können. Kein Wunder also, dass immer mehr Menschen neben dem Handschlag auch den Türgriff meiden. Ein regelrechtes “Ekelgefühl” entsteht.

Zurecht, denn: Die Kombination aus Hand-Zu-Hand-Übertragung von Infektionskrankheiten und dem mangelnden Hygienebedürfnis (Händewaschen nach dem Toilettengang), führt zu Krankheitsfällen. Laut Studie erkrankt jeder Mitarbeiter durchschnittlich 11 Tage im Jahr.

Türen “sauber” öffnen

Das Bedürfnis an einer simplen, aber nachhaltigen Lösung erkannte Yves Prodorutti bereits im Mai 2013. Seitdem entwickelte das Team von Hygienics.ch eine Lösung, mit folgenden Zielen:

  • Intuitive, leichte Verständlichkeit
  • Leichte Installation ohne Bohr- und Ausbauarbeiten
  • Ansprechendes Design, welches sich nahtlos in die vorhandene Umgebung einfügt
  • Mehrwert zu geringem Preis
  • Gesundheit fördern

Im Februar 2014 entstand so der erste Prototyp der hyShell, einer Fußhalterung am unteren Rand der Tür mit muschelähnlicher Form. Türen würden nicht mehr am Griff geöffnet werden müssen, die Übertragung von krankheitserregenden Bakterien und Viren wäre eingedämmt.

Es folgten die ersten Gehversuche, das Produkt, seine Bedienung, die Installation, ja alle die selbst auferlegten Ziele wurden bis ins kleinste Detail geprüft. Letzte Feinschliffe am Design und dem Bedienkomfort der Innovation führten zum ersten, marktfähigen Endprodukt.

Swiss UpStart Challenge

Der Gründungsprozess an sich verlief relativ unspektakulär. Bereits in einer frühen Phase der Entwicklung war für mich klar, dass ich tüftle, zeichne und teste, bis ich ein akzeptables Ergebnis vorweisen kann. Aus diesen und finanztechnischen Überlegungen (die Entwicklungsphase war sehr kostenintensiv) wurde Hygienics.ch bereits im Jahr 2013 gegründet. Der aktive Marktauftritt mit der hyShell besteht allerdings erst seit wenigen Monaten.

Die größte Herausforderung – eine erfolgreiche Lancierung – steht uns noch unmittelbar bevor. Wir freuen uns darauf und sind gespannt.

Das Team um Yves Prodorutti stand also vor einem bekannten Problem: die Finanzierung der Entwicklung und der Verwirklichung des Geschäftsvorhabens. Wie wir in unserer Beitragsserie zur Finanzierung von Startups erklärten, sind Gründerwettbewerbe eine gute Möglichkeit diese Finanzierung zu erreichen.

Hygienics.ch wurde auf die Swiss UpStart Challenge aufmerksam. Kurzerhand nahm das junge Startup mit der Geschäftsidee teil – der Businessplan wurde eingereicht. Das Ergebnis: Das Konzept der hyShell durfte vor einer 12-köpfigen Fachjury vorgestellt werden, am Ende erreichte diese Idee sogar den 2. Platz der Challenge.

Vom ersten Kundentermin zum marktreifen Produkt

Der Erfolg beim Gründerwettbewerb hielt an: Hygienics.ch stellte das Konzept und das Produkt in einem Kantonsspital vor. Gerade die Verantwortlichen in Kliniken kennen selbstverständlich das Problem von Krankheitsübertragungen aus ihrer täglichen Arbeit. Der gut vorbereitete Termin gelingt, die Verantwortlichen erklären sich zu einer mehrmonatigen Testphase bereit. Die hyShell wird erstmals in einer vielgenutzen Toilette eingesetzt.

Die Ergebnisse der Testphase übertreffen alle Erwartungen: Die Resonanz ist positiv und die Verantwortlichen sind vollends überzeugt vom Produkt. Die einzige Kritik wurde an der Größe der Öffnung der Muschel geübt, für gröberes Schuhwerk sei diese ungeeignet.

Mit diesen Ergebnissen startete eine erneute Überarbeitung der hyShell. Entscheidende Optimierungen auf Basis der Rückmeldungen der Testphase wurden durchgeführt. Seither gilt die hyShell als “noch kundenfreundlicher und komfortabler.”

Yves Prodorutti erklärte im Interview, welche Kunden am meisten vom – nun marktfähigen – Produkt profitieren werden:

Im Gesundheitswesen werden Menschen behandelt und gepflegt. Besucher, Patienten und Mitarbeitende teilen sich auch neben den Toiletten an vielen Orten die Türklinken. Dies kann zu Krankheitsübertragungen führen, welche besonders im Gesundheitswesen gefährlich sind. Hier kann die hyShell eine simple und effektive Lösung darstellen und beispielsweise in einem Spital einen Beitrag zur ganzheitlichen Spitalhygiene leisten. Hier greift zudem ein weiterer Vorteil der hyShell. Türen können weiterhin herkömmlich geöffnet werden, also auch von Personen mit einer körperlichen Einschränkung.

In der Gastronomie werden Lebensmittel verarbeitet. Hierbei kann die hyShell die internen Hygienemaßnahmen ideal ergänzen. Zumal im Küchenbereich auch volle Hände ein Grund für den Einsatz einer hyShell anbietet. Ferner ist der Zustand der Toiletten ein Aushängeschild für Gastronomiebetriebe. Hier setzt die hyShell an und überrascht die Gäste positiv, indem ihnen auf eine elegante Art eine Lösung für ein bekanntes Problem angeboten wird.

Sämtliche Unternehmen außerhalb der erwähnten Branchen können ebenfalls von der hyShell profitieren. In Betrieben verursachen Grippewellen etliche Krankheitstage und Absenzen, die für Mitarbeitende unangenehm sind, aber auch für die Unternehmung zu finanziellen Folgen führen. Türgriffe sind Gegenstände, die mitunter am häufigsten mit Arbeitskollegen geteilt werden. Somit wäre es dank der hyShell ein leichtes, diesen potenziellen Übertragungskanal von Krankheitserregern auszuschalten.

Ähnlich lassen sich diese Vorteile auch für öffentliche Bereiche wie Einkaufszentren, Bahnhöfe, etc. anwenden. Die Einsatzmöglichkeiten sind wie eingangs erwähnt sehr vielfältig.

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